Samstag, 13. Januar 2018

Slam in Münster

Nach langer Pause findet im Wallis diesen Winter mal wieder ein 13 Sterne Slam statt. Und ich wurde dazu eingeladen.

Datum:     16. Februar 2018
Zeit:      20:30 Uhr
Ort:       Mehrzweckhalle Münster / VS

Weitere Infos folgen. Wir freuen uns auf zahlreiche Besucher.

Freitag, 12. Januar 2018

Was würde Rainer Werner sagen?



Ich habe mir schwarze Reizwäsche bei Karstadt gekauft
mit der ich dich dann im Drei Könige verführen wollte
ich einem Zimmer mit extra grossem Doppelbett
und einem schlechten Jackson-Pollock-Imitat überm Kopfende

dir fiel auf, dass ich mich dezenter schminke
und dass das authentischer sei
aber vielleicht habe ich nur schon innerlich aufgegeben
dich bezirzen zu wollen

wie immer schautest du auf dein Smartphone
um den Absprung nicht zu verpassen
dabei verpasst du immer nur Chancen
und leider nie den Zug

was Beziehungen betreffe, sei ich viel radikaler als du
hast du dann noch gesagt
dass das aber noch kein Zeichen von Qualität sei
umgekehrt dürfte das genauso gelten

vorher hatten wir uns einen Dok-Film über Fassbinder angeschaut
ich hörte regelrecht, wie er sich im Grabe rumdrehte
schlafen kann ich, wenn ich tot bin, hat er gesagt
er hat 44 Filme, 22 Theaterstücke
und jede Menge (emotionale) Leichen hinterlassen
was, um Himmels Willen hinterlassen wir?

Montag, 8. Januar 2018

Donnerstag, 4. Januar 2018

Sonntag, 31. Dezember 2017

Frohes neues Jahr


Tut mir leid, Freunde
ich saufe nicht
ich bin nicht arbeitsscheu
und nehme keine Drogen
ich hure rum
das muss genügen



Ich wünsche allen, dass sie gut rüber kommen und einen guten Start für 2018.

Mittwoch, 27. Dezember 2017

Varanasi - Heilige Scheisse II


Varanasi ist die schrecklichste Stadt, die ich kenne. Sie verschluckt Seelen und alle geben sie freiwillig her. Alle Wege führen hier irgendwann in eine Sackgasse. Obwohl das fürs Leben an sich ja auch gilt. Varanasi ist praktisch ein riesiger landwirtschaftlicher Betrieb. Spezialisiert auf die Massenproduktion von Gülle. Aber mit der Zeit wird einem das zunehmend egal. Man ist selbst dreckig und schmierig, das Haar ist ein verfilztes Etwas, in dem bald Vögel nisten werden. Ich wurde schon von einem Roller angefahren und einem durch Matsch fahrenden Jeep von oben bis unten mit Scheiβe bespritzt. Mich hat ein Wasserbüffel gerammt, eine Kuh ging auf mich los, ich wurde beinahe von einem Ziegenbock bestiegen und zwei Hunde leckten mit fletschenden Zähnen meine linke Wade ab. Die hat eine Brandwunde vom Tuchfühlen mit einem heiβen Motoradauspuff. Man kommt sich eben nah hier. Beim Versuch einem grimmigen Wasserbüffel auszuweichen, bin ich in einem frischen Haufen Dung ausgerutscht. Ich wurde belästigt, meist aus finanziellen, manchmal auch aus sexuellen Gründen, übers Ohr gehaun und ausgelacht. Von den Abgasen und dem Rauch der Verbrennungsfeuer und Kellerloch-Küchen läuft man ständig mit einer Art Mattscheibe rum. Der Hup-Tinnitus klingt noch nachts nach und der Raucherhusten hält selbst die Nichtraucherlunge auf Trab. Nachts friert man sich den Arsch ab, nachdem man über Tags wie ein Schwein geschwitzt und eine Mischung zwischen Kreuzkümmel und abgestandenem Leben ausgedünstet hat. Freudig lächelnd und winkend kommen die Kleinsten auf dich zugerannt und wenn sie vor dir stehen, wird das Lächeln noch ein bisschen breiter. Dann haben sie dich schon fast an der Angel und du denkst, wie süβ die doch sind und wie ja doch alles nicht so schlimm ist und dann stellen sie sich breitbeinig hin und sagen es: «Money!». Dann ist der Ofen aus. So geht das hundert Mal am Tag und am Anfang lachst du noch zurück und schüttelst kichernd das Haupt, bis du am Ende des Tages mit gesenktem Blick mit dir selbst redest und dich das Mantra «Don’t follow me, please don’t follow me!» herbeten hörst. Irgendwann dann im Laufe der träge dahinflieβenden Tage, lässt man geduldig jedem Rindvieh den Vortritt und läuft gleichgültig durch Zeit und Raum, als würde man es gar nicht anders kennen. Man gibt sich selbst auf. Vielleicht ist das das Ziel allen menschlichen Daseins.

(Ausschnitt aus dem in Arbeit befindlichen Buch über meinen wochenlangen Aufenthalt in Varanasi, Indien).


Mittwoch, 20. Dezember 2017

Varanasi - Heilige Scheisse






«Guck dir bloβ mal die Idioten an», sagte die Katze.

«Welche genau meinst du?», fragte ich.

«Na die Kuh, die Ziege und die drei Hunde da. Legen sich freiwillig um eine brennende Leiche!»

«Vielleicht sind sie einfach nur pragmatisch, weils dort schön warm ist», entgegnete ich.

«Papperlapapp!», keifte die Rotgetigerte, «die glauben an was Heiliges, genau wie die Leute da unten, die sich täglich in diese Kloake werfen.»

«Mit Kloake meinst du den Ganges, nehme ich an?», fragte ich.

«Nenn es wie du willst, nur über meine Leiche würde ich in diese Drecksbrühe gehen. Und ich habe immerhin sieben Leben», fuhr die Katze fort. «Wusstest du, dass die zulässige Bakterienbelastung für Badegewässer pro Tropfen in dieser trüben Suppe um 3000 Mal höher ist, als es die WHO erlaubt? Hier findest du jedes Bakterium der Welt.» Wusste ich zugegebenermaβen nicht. Ich bin aber auch noch nie einer Katze begegnet, die Statistiken der WHO zitiert.

«Aber vielleicht genügt ja schon der Glaube an etwas, dass es dann tatsächlich eintrifft», starte ich einen lächerlichen Erklärungsversuch. «Schlieβlich hat man schon Pferde vor der Apotheke kotzen gesehen.»

«Das ist eine glatte Lüge! Pferde können gar nicht kotzen», entgegnete die Katze und lachte hämisch. «Religion ist die Abwesenheit von Verstand», fuhr sie fort.

«Ah, sind wir eine Philosophenkatze oder wie?», versuchte ich das Fellknäuel zu provozieren. Das verdrehte die Augen.

«Aber die wollen doch nur dem ewigen Kreislauf der Wiedergeburten entkommen», warf ich ein.

«Das würden sie auch ohne dieses ganze Spektakel. Und ich hätte es nicht ständig auf den Bronchien von diesem verdammten Rauch. Aber was solls: Kühe, Ziegen, Hunde, Menschen – alle unbelehrbar!», sagts, machte einen extraordinären Katzenbuckel und verschwand in der Menge.

(Ausschnitt aus dem in Bearbeitung befindlichen Buch über meinen Stipendiumsaufenthalt im indischen Varanasi).


Donnerstag, 14. Dezember 2017

Letzte Möglichkeit

Liebe Klossek-Liebhaber und andere Leser. Per 14.1.2018 wird es dieses Buch nicht mehr geben. Wer noch eins haben will, der sollte JETZT eins kaufen. In allen einschlägigen Onlinehandlungen (z.B. exlibris.ch, buecher.de, Amazon etc.), aber auch im Laden bestellbar. 1 Exemplar habe ich noch zum Sonderpreis von 15 Euro abzugeben. Danke und beste Grüsse


Dienstag, 28. November 2017

gONZo ist verstreut

Ein schöner Artikel zum gONZoverlag und der tollen Serie Verstreute Gedichte. Kaufen und sammeln. Wer weiss, eines Tages sind sie ganz viel Wert.



Dienstag, 21. November 2017

Arbeitslosenode


Morgens stehe ich auf
was mir nicht mal sonderlich schwerfällt
obwohl ich im Grunde liegenbleiben könnte
denn ich habe nichts zu tun
ich habe keinen Job
was mich aufregen, deprimieren oder in Panik versetzen sollte
aber es ist mir egal
im Gegenteil: ich bin froh, aus allem raus zu sein
ab und an schreibe ich IT-Artikel oder Rezensionen zu Büchern
die ich freiwillig nie lesen würde
nicht, weils mich interessiert
sondern weil ichs kann
ich warte auf meine Tage
die überfällig sind
Wechseljahre
dämlicher Begriff
ich wechsle nichts
weder Geld noch die Wäsche und auch nicht meine Identität
allenfalls die Hautfarbe
wäre ich Michael Jackson
im Vergleich zu dem gehts mir blendend
manchmal formuliere ich im Kopf ein Gedicht
aber bis ich mich aufraffe
es aufzuschreiben
ist's mir meistens entfallen
ich müsste an meinem aktuellen Buch schreiben
aber wenn das nicht rauskommt
kräht auch kein Hahn danach
um 5 nach 3 gucke ich Bares für Rares
für gewöhnlich der Höhepunkt des Tages
unfassbar, was die Leute alles in ihren Kellern und Schränken horten
das meiste würde ich nie kaufen
aber vieles bringt gutes Geld ein
und die Händler sind Gentleman alter Schule
sie begrüßen die Frauen mit gnädige Frau
und verabschieden sie mit auf Wiedersehen die Dame
simple Anstandsformeln, die ich vermisse
ich überlege, was ich veräussern könnte
und was Kunst und Krempel aus aller Herren Länder so wert wären
aber ich kann mich von nichts trennen
und müsste für die Sendung nach Köln fahren
also lass ich's bleiben
auch wenn dort mein erster Freund lebt
und ich mir denke, dass es schön wäre
ihn mal wiederzutreffen
aber er hat eine Frau und keine Haare mehr
also kann ich mir das auch sparen
gegen halb 5 mache ich einen späten Nachmittagsschlaf
ich bin immer müde
das liegt wohl an der Lungenentzündung
die ich mir in Guatemala zuzog
vielleicht bin ich aber auch nur einfach so träge
weil ich alt werde
oder endlich mal Zeit habe
und dreißig Jahre Schlafmangel kompensieren muss
morgen muss ich aufs RAV*
wenn man das laut ausspricht
klingt das wie eine Terrorgruppe aus den 70-ern
und irgendwie trifft das auch zu
ich mag keinen sehen
und nirgendwo hingehn
oder Rechenschaft ablegen
alle zwei Tage kaufe ich Lebensmittel ein
damit ich mal rauskomme
oder nicht verhungere
obwohl Letzteres vermutlich Monate dauern würde
ich gieße regelmäßig die Pflanzen
und wasche mir die Haare
manchmal rasiere ich mich auch
obwohl nicht davon auszugehen ist
dass sich ein Beischläfer bei mir verirrt
im Internet könnte ich nach einem Partner suchen oder einem schnellen Fick
beides entspricht aber nicht wirklich meinen Bedürfnissen
ich gucke dann doch lieber einen Porno
den kann man jederzeit abschalten
und reden muss man mit dem auch nicht
da weiß man, was man hat
jetzt habe ich Gefragt - Gejagt verpasst
und Wer weiß denn sowas? ist auch schon fast rum
da kann man echt was lernen
um dann alles wieder zu vergessen
ich halte mich zwischen
Tagesschau, Two and a half men und
Medical Detectives nur schwer wach
aber die Hintergrundberieselung gefällt mir
es ist fast so, als wäre man nicht alleine
es erfüllt mich mit Freude und Erleichterung
dass ich morgen nicht uns Büro muss
die Kasse zahlt
wenn auch nicht Ewigkeiten
aber die liegen noch weit hin
nicht zu müssen ist ein bisschen langweilig
aber ungemein befreiend
für die Jobs, für die ich mich bewerbe
passe ich immer knapp nicht ins Profil
obwohl ich die Qualifikationsanforderungen - neudeutsch: Skills - mehr als erfülle
ich vermute, das liegt am Alter
wenn sie einen in der Anzeige schon mit Du ansprechen 
ein Du, dass unter 35 
und Teil eines urbanen Lebensgefühls ist
könnte man sich die Mühe im Grunde sparen
ich frage mich, ob die wissen
was sie für einen Schwachsinn faseln
und mit Journalismus gegen Wasserstoffbomben von Kim Jong-un ankämpfen
ist eh ein bisschen lächerlich
bei jeder Absage atme ich erleichtert auf
wegen der political correctness 
nennt man Unsereinen heute Arbeitssuchende
dabei suche ich gar nicht
oder nur in den seltensten Fällen
seit ich nicht mehr rumstressen muss
hab ich weder Migräne noch Probleme mit dem Stuhlgang
ich öffne meine Agenda
und die ist fast leer
ist das etwa das Glück
von dem immer alle reden
das dir aber kaum jemand erklären kann?
in der Migros haben sie Ovomaltine-Proben verteilt
aber es ist eine Lüge
dass man damit länger kann
ich bin schlapp wie immer
und das erste Mal im Leben
tue ich nichts gegen diesen Zustand
das Recht auf Schlappheit
sollte in der Verfassung verankert sein
ich simuliere ein bisschen das Leben
wie Tänzer kurz vor der Premiere
um ihre Kräfte zu sparen
und sich nicht für eine Hauptprobe ohne Zuschauer zu verausgaben
der August ist komplett an mir vorbeigegangen
und schon wird es Zeit
sich auf den Winterschlaf vorzubereiten
das Einzige, worauf ich warte
ist die neue Staffel von House of Cards**

* für Nichtschweizer: RAV= Regionale Arbeitsvermittlung
** das Gedicht wurde vor dem Skandal um Kevin Spacey geschrieben, ich habe mir aber trotzdem die 5. Staffel noch schnell bestellt, bevor auch die aus dem Verkehr gezogen wird. Ich bitte von Shitstorms abzusehen. 

Mittwoch, 15. November 2017

Montag, 30. Oktober 2017

Dienstag, 17. Oktober 2017

Dienstag, 10. Oktober 2017

Freitag, 6. Oktober 2017

Der 30. DreckSack ist da!

LIEBE LESER, FREUNDE UND KRITIKER:

Es ist vollbracht: Der 30. DreckSack ist da!

Diesmal mit Fotografien von Siebrand Rehberg und Texten von: Gerd Adloff, Eric Ahrens, Gisbert Amm, Michael Arenz, Dennis Bähringer, Marvin Chlada, Florian Günther, Matthias Hering, Susann Klossek, Michael Langer, Matthias Merkelbach, Thomas Meyer-Falk, Andreas Niedermann, Matthias Penzel, Markus Prem, Thomas Seuberling, Erik Steffen, Ulrike Steglich, Wenske/Hyde, Heyne Winterfeldt, Erik Wunderlic...h.

Anläßlich unserer 30. Ausgabe und als kleinen Dank an unsere treue Leserschaft liegt jeder Bestellung ein soeben im gONZoverlag erschienenes Heft aus der Reihe „Verstreute Gedichte“ mit Gedichten von Florian Günther bei.

Die diesmal etwas andere Release-Lesung findet am 14. Oktober im Goldenen Hahn (Kreuzberg) statt. Uhrzeit und beteiligte Autoren werden rechtzeitig mitgeteilt.

Erhältlich ist die Ausgabe ab sofort hier: www.edition-luekk-noesens.de/shop/drecksack

Das Inhaltsverzeichnis findet ihr hier: www.edition-luekk-noesens.de/drecksack/aktuelle-ausgabe

Mittwoch, 20. September 2017

Ahnen





Bei
den Mayas war es eine Ehre
wenn sie dir bei lebendigem Leib
das Herz herausgerissen
 und den Göttern geopfert haben
im Grunde ist ihre Spezies
zurecht untergegangen

(Foto: Guatemala, 2017)