Samstag, 3. Dezember 2016

Ein Mann und zwei Flughunde





Hat Euch der Samichlaus aka Nikolaus, also der Mann im roten Mantel, letztes Jahr vergessen? Denkt Ihr, das ist dieses Jahr anders? Eben! Dann kommt doch besser gleich zum Mann im gelben Kleid und seinen zwei Flughunden:

Dienstag, 6. Dezmeber 2016  20 Uhr  Club  Rote Fabrik

Freitag, 2. Dezember 2016

Rezension zu Der Mann im gelben Kleid

Eine erste, wie wir finden tolle, Rezension zu Der Mann im gelben Kleid. Vielen Dank!



Jede Silbe ist Ausdruck prallen Lebens


Kopfüber hing die dralle Venus… Mit einer atemberaubenden Sinnlichkeit und diesem beinah zeitgleich im Rückspiegel reflektiv abgeklärten Blick, eröffnen Susann Klossek und Benedikt Maria Kramer den lyrischen Dialog ihrer gemeinsam verfassten Dichtung: “Der Mann im gelben Kleid”.
Bis weit über die Hüften waten wir Leser in der Ursuppe menschlicher Gefühlsmomente, Irrungen und Wirrungen. Sehr treffend werden die kommenden Lesungen von Klossek und Kramer, als “Performance der Befindlichkeiten” angekündigt.

Diese Befindlichkeiten regnen ohne eine Ordnung und fairerweise auch ohne Wertung auf den Leser nieder. Sehnsüchte, Albträume und Phantasien aller Arten und Unarten, wachsen und wuchern in den meist nächtlichen Dichterhimmel, um im postmodernen Alltagsmorgen zu zerschellen. Von Seite zu Seite sterben wir gemeinsam tausend glückliche und unglückliche Tode: unheilsschwangere Kreise schließen und öffnen sich bis ins Unendliche.
 

Viel nackter Wahnsinn blinzelt uns zwischen den Zeilen zu… Immer wieder anders, immer wieder neu, aussichtslos und doch unwiderstehlich.

So kaputt die Situation und verloren die Positionen sind, so verschroben und krank der Einzelne sich selbst oder seine Umwelt schildert, umso kräftiger und stärker wirkt aus dieser Müllhalde des Menschlichen das Lebendige und Unverwüstliche heraus. So ist dieses Liebeslied an die Hoffnungslosigkeit in ihrem Kern zwar kein Votum für die Menschheit als Ganzes, jedoch eines für das einzelne Individuum und eine Verneigung vor dessen turbokreativen nicht auszubremsenden Naturell. (…zwar im freien Fall befindlich, aber scheißdrauf!)

Es dauert ein paar Seiten bis mir klarer wird was von Klossek getextet und was Kramers Schreibe ist und auch da tun sie sich keinen sonderlichen Zwang der Geschlechtsspezifizierung an, sie leben und entwerfen eine Afterparty der Postmoderne nach ihrem eigenen Gusto und stellen uns eine Vision eines Lebens außerhalb gesellschaftlicher indoktrinierter Konditionierungen und Zwangsvorstellungen hin.

Die Szenerien, die in diesem Buch als eine Gegenwartsvorstellung entstehen, ist eine Welt die auf dem Kopf steht, ein Unding, das Abbild einer Deformierung und darum auch so faszinierend. Wäre sie das nicht, wäre es die Schreibe auch nicht oder umgekehrt.

Als Leser ist es ein Genuss und pure Freude an dieser Achterbahnfahrt der beiden Lyriker und den neuen aus dieser einzigartigen Konstellation entstehenden Befindlichkeiten teilzunehmen: Ein Genuss zu erleben, wie sie sich provozieren, herausfordern, Fallen stellen, sich ohrfeigen, in Abgründe stoßen, sich wieder heraushelfen, sich ineinander verlieben und verschmelzen, um sich ein paar Zeilen später wieder hasserfüllt voneinander wegzustoßen.

Es ist eine widerständiges Paket Lyrik und es wird mir warm ums Herz, weil mich danach hungert. Jede Silbe ist Ausdruck prallen Lebens. Der Mann im gelben Kleid ist ein unvermeidlicher Lesestoff und es ist mir bewusst, dass ich durch diese Lektüre Teil einer subversiven Handlung geworden bin.

Wir werden dieses “Hohelied der Flughunde”, wie das Werk im Untertitel benannt ist, als eine Leseperformance erleben und ich finde den Gedanken reizvoll, diesen starken Tobak, vielleicht in einem Jahr oder so, in einer Hörspiel – oder Theaterfassung wieder neu entdecken und genießen zu dürfen; warten wir’s ab.

Der Mann im gelben Kleid: erschienen im Freiraum-Verlag.
Alfred Koller, Vitaltransformer 
http://vitaltransformer.ch/jede-silbe-ist-ausdruck-prallen-lebens/

Donnerstag, 24. November 2016

Neulich bei

Ich, leicht frustriert durch den Laden schlendernd.
Onduliertes Italienerfrettchen mit gezupften Augenbrauen kommt angetrippelt.
Er: "Kann ich Ihnen behilflich sein?
Ich: "Danke, aber leider gibt es alles, was mir gefällt und was ich suche nur in Miniaturgrösse."
Er: "Oh, wir haben auch Kleidung für ...", schaut mich an und deutet mit den Händen eine Matrone an.
Ich: "Ich kann nichts entdecken."
Er: "Was suchen Sie denn?"
Ich: "Ein Kleid. Elegant und aufmüpfig zugleich."
Er: "Die Jacken sind grösser geschnitten."
Ich: "Danke, aber ich brauche keine Jacke." Er zeigt mir eine Jacke und schaut mich etwas mitleidsvoll an. Dann scheint er eine Eingebung zu haben, strahlt, springt juchzend durch den Laden und ruft "Ich habe was ganz Tolles für Sie!"
Ich schöpfe schon Hoffnung, dass ich wider Erwarten doch noch an ein Kleid komme.
Dann steht er vor mir: "Wie wärs mit einer Tasche?"


Montag, 21. November 2016

Bullshit Redundanzen im Daily Business



Wenn der Tag lang ist, ist auch viel Zeit für Meetings, währenddessen die Liste der Pressemitteilungen, Artikelangebote und Einladungen zu Medien-Events und Konferenzen ins Unermessliche wächst. Allein schon durch die Unmenge an Informationen und Material neige ich zur Überforderung. Erschwerend kommt hinzu, dass ich meist gar nicht verstehe, worum es geht. Offensichtlich spreche ich eine andere Sprache.

In einer Einladung werden mir beispielsweise Keynotes von höchst ausgewiesenen Referenten versprochen. Ausgewiesen worin? Oder müsste es heissen wohin? Ich weiss es nicht, ist leider nicht meine Kernkompetenz. In der nächsten Mitteilung ist die Rede von Hürden, die es zu überspringen gilt. Ich würde die Nachricht gerne an die Sportredaktion weiterleiten. Wenn wir eine hätten.

Und während ich dem Chef ein Update – Aufgewärmtes von der letzten Sitzung, an das er sich nicht mehr erinnert – gebe, werde ich im darauffolgenden Gespräch um Commitment gebeten. Proaktiv, versteht sich. Weil ich aber nicht genau weiss, was das ist und was ich dafür tun muss, setze ich das Topic erst einmal auf die Watchlist. Etwas im Auge behalten ist immer gut, da bin ich für den Notfall vorbereitet, wofür auch immer.

Inzwischen kommt ein Praxisbericht reingeflattert, bei dem es um ein Rollout geht. Mich überkommt das dringende Verlangen, mich ebenfalls ein- oder auszurollen. Gleich vor Ort auf dem Teppich. Und während ich so als ungenutzte Human Resource daliege, werden Projekte getrieben, und ich frage mich: wohin eigentlich? Auf die Alm? Zwischendurch verlangt ein Manager von mir, der Untergebenen, nach einem Input. Er seinerseits gibt natürlich ausschliesslich Feedback. Auch wenn er dafür keine Liability übernimmt.

Es ist Zeit für eine Change, Management! denn irgendwie läuft es ein bisschen suboptimal. Wir bräuchten dringend ein Briefing, eine Status-Quo-Analyse oder eine Mediation, durch einen Troubleshooter oder besser noch eine extra eingerichtete Task Force, für die Challenge eines Assessments, Upgrades oder Relaunches. Sonst wird das nichts mit dem Turnaround und dem Benchmarking und es folgt unweigerlich das Downsizing.

Also raus aus der Comfort zone, wir müssen Out of the Box denken, innovativ brainstormen, wir brauchen Results, Success und Revenue! Und Transparenz. Genau, ich werde jetzt ISOCE (Internal Strategy Officer of Creative Exploitation). Da werden soft skills zu hard facts, macht euch auf was gefasst!

Outplacement der Chefetage wäre manchmal nicht das Verkehrteste, denke ich mir gerade, doch da streikt auch schon die IT. Ich muss ein Ticket lösen, obwohl kein Zug kommt, immer soll ich was auf dem Radar haben, selbst wenn die Flugbegleiter streiken, ich soll Gas geben und alle Kollegen abholen (wo?, warum?), immer will einer jemanden ins Boot oder an Bord holen, obwohl kein Gewässer in Sicht ist, nicht mal, wenn man aus dem Zeitfenster schaut. Und wer zum Teufel rudert eigentlich?

Das ist doch alles nicht skalierbar, verdammt! Es wäre nett, wenn Sie mir diese Fragen, auf Redundanzen verzichtend, zeitnah, ich meine asap, also sofort! beantworten würden. Its time to go2market!

(Ersterscheinung in Computerworld vom 18.11.2016)

Freitag, 18. November 2016